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Die Goethe-Gesellschaft Hamburg            von Ragnhild Flechsig Im Juli 1807 trifft Goethe in Karlsbad mit Carl Friedrich Reinhard zusammen und hält im Tagebuch unter dem 3.7.fest:  ..."Darauf kam Resident Reinhard und blieb bis gegen 1 Uhr. Gespräch über Hamburg überhaupt, besonders seine literarischen Zirkel. Reimarus, Klopstock, Lessing, Büsch, Ebeling u.s.w. Vorständige beschränkte Denkungsweise."  zit. nach: "Ja deswegen haben die Hamburger, die Reimarus usw., mich nie leiden können" Goethes Hamburg-Bild in ausgewählten Zeugnissen. Zum 75jährigen Bestehen der Hamburger Goethe-Gesellschaft zusammengestellt und kommentiert von Clemens Heithus. Ortsvereinigung Hamburg der Goethe-Gesellschaft in Weimar e.V. 1999, S.14   Diese ablehnende Haltung Goethes der Stadt Hamburg  und ihren Literaten gegenüber hielt jedoch einen Kreis Hamburger Literaturfreunde und Literaturprofessoren nicht ab, im Mai 1924, anlässlich des 175. Geburtstags Goethes, die Hamburger Ortsvereinigung  zu gründen, ausgehend von einer Initiative des Germanisten Prof. Robert Petsch. Der erste Vorsitzende wird Senatspräsident  Dr. Erich Grisebach (geb.1864), der den Vorsitz der Hamburger  Gesellschaft  bis zu seinem Tod 1941 innehat. Das Archiv der Ortsvereinigung Hamburg ist sehr lückenhaft. Die Zeit 1933-1945 fehlt fast vollständig, für die Zeit von 1946 bis etwa 1972 liegt nur eine unvollständige Aktenlage vor. Nachfolger Grisebachs wird Prof. Wilhelm Flitner, einer der führenden Reformpädagogen der Weimarer Republik und der ersten Jahre der Bundesrepublik.  Er führt die Hamburger Goethe-Gesellschaft durch die Kriegs- und Nachkriegszeit, muss jedoch 1947 aus gesundheitlichen Gründen den Vorsitz an den Juristen und Finanzfachmann Dr. Wolfgang Mersmann abgeben, der für ein Jahr Vorsitzender ist, bevor er einem Ruf nach Bad Homburg folgt. Dr. Robert Johannes Meyer, Wirtschaftsjurist und Vorsitzender der Gesellschaft der Bücherfreunde zu Hamburg, leitete als stellvertretender Vorsitzender die Hamburger Goethe-Gesellschaft von 1948 bis 1953. Von 1953 bis 1956 übernimmt Prof. Hans Pyritz die Aufgaben des Vorsitzenden, der im Juni 1953 Thomas Mann vor zahlreichem Publikum in der Musikhalle begrüßen kann DIE ZEIT, 18. Juni 1953. Und am 14. Dezember 1954 liest Gottfried Benn, auf Einladung von Hans Pyritz, in der Hamburger Universität. Er begrüßt das Publikum: "Meine Damen und Herren,... die Einladung, vor der Hamburger Goethe-Gesellschaft zu reden, war von Herrn Prof. Pyritz mit der Bitte verbunden, keinen Goethevortrag zu halten, sondern - wie er schrieb - 'einmal lebendig- unmittelbar in das Reich der modernen Kunst und in die Probleme unserer heutigen Kultursituation hineinzuführen'. Das werde ich versuchen." zit. nach: Holger Hof: Gottfried Benn. Der Mann ohne Gedächtnis, Stuttgart 2011, S.408. Unter der zehnjährigen Leitung von Dr. Rudolf Joerden, dem langjährigen Leiter der Hamburger Öffentlichen Bücherhallen, versucht die Hamburger Goethe-Gesellschaft, über den engeren Kreis der Universität und der Bücherexperten hinaus weitere Interessentenkreise zu erschließen. Dieses Ziel verfolgt auch Dr. Hans-Harder Biermann-Rathjen (Kultursenator 1953-1966) während seiner Zeit als Vorsitzender von 1966-1969. Die Zeit der Studentenrevolte und der allgemeinen gesellschaftlichen und kulturellen Umbrüche geht an der Hamburger Goethe-Gesellschaft nicht spurlos vorüber: Schwindende Mitgliederzahlen, schwindende Akzeptanz in der Öffentlichkeit führen fast zur Selbstauflösung der Gesellschaft. Dem Leitenden Oberschulrat Curt Zahn gelingt es, zusammen mit dem übrigen Vorstand, das Vortragsprogramm aus dem Elfenbeinturm der universitären und universitätsnahen Zirkel herauszuführen , indem sich die Gesellschaft für neuere Literatur und allgemeiner interessierende Themen öffnet. Nach achtzehnjährigem Vorsitz dankt die Mitgliederversammlung Curt Zahn, indem sie ihn zum Ehrenvorsitzenden ernennt. Die Leitung der Hamburger Goethe-Gesellschaft bleibt in den folgenden Jahren (ab 1987) bei Vertretern der Hamburger Schulbehörde: Oberschulrat Gerhard Nöthlich (Vorsitz 1987-1996) folgt dem von Curt Zahn eingeschlagenen Weg und erweitert das Programm um literarische Reisen und Exkursionen, die große Resonanz finden. In seine Zeit fällt die Wiedervereinigung; Gerhard Nöthlich nutzt sehr früh schon die Möglichkeiten des freien Reiseverkehrs, um Exkursionen in die neuen Bundesländer zu veranstalten. Es kommt zu  einem regen Austausch und zu nachhaltigen Begegnungen mit den dortigen Goethe-Gesellschaften. Auch Gerhard Nöthlich wird zum Ehrenvorsitzenden ernannt. 1999 laden Oberschulrat Dr. Klaus Baumann (Vorsitz 1996-2002) und die Hamburger Goethe-Gesellschaft die Vorstände der Ortsvereinigungen nach Hamburg zur jährlichen Tagung ein. 1999 wird nicht nur Goethes 250. Geburtstag gefeiert, die Hamburger Gesellschaft kann in dem Jahr auch auf ihr 75jähriges Bestehen zurückblicken. Aus diesem Anlass erscheint ein Sammelband mit Vorträgen zum Thema: "Was aber bleibet, stiften die Dichter." Unter der Leitung von Dr. Klaus Baumann werden die Reisen und Exkursionen der Hamburger Goethe- Gesellschaft ausgeweitet; neue Ziele sind Norditalien, Rom und Sizilien, in die Schweiz und das Elsass, immer wird "auf Goethes Spuren" gereist. Diese Reisen finden viel Zuspruch und bringen der Hamburger Gesellschaft neue Mitglieder. Seit 1999, auch initiiert von  Dr. Klaus Baumann, besteht eine Verbindung zwischen der Hamburger Goethe-Gesellschaft und der tschechischen Goethe-Gesellschaft in Prag. Besuche der Hamburger in Prag - zuletzt 2011 -, Vorträge  und Besuche der Prager in Hamburg festigen diese Verbindung. Seit 2011 ist das Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren in diese Verbindung aufgenommen. Auch das Vortrags-Programm der Hamburger Goethe-Gesellschaft erfährt durch Dr. Klaus Baumann eine weitere Akzentsetzung, indem seit 1998 an einem Wochenende im November/Dezember ein Klassik-Seminar veranstaltet wird, das vier Vorträge umfasst. Von Freitagabend bis Sonnabendnachmittag haben Mitglieder und Interessierte die Gelegenheit, sich intensiv mit einer Literaturepoche, einem Autor auseinanderzusetzen. Seit 2002 liegt die Leitung der Hamburger Goethe-Gesellschaft bei Oberschulrätin a.D. Ragnhild Flechsig. Die zehnte Vorsitzende führt das Programm fort  und hat die Tradition der Klassik-Seminare noch erweitert. Seit 2006 finden die Seminare mit Unterstützung und in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung statt. Lehrerinnen und Lehrern wird  so eine anerkannte Fortbildungs- möglichkeit geboten, die gern genutzt wird. Die Vorträge der Klassik-Seminare werden zusammengefasst und den Mitgliedern als Jahresgabe zur Verfügung gestellt. Die Jahresgaben der Ortsvereinigung Hamburg sind im Verlag Janos Stekovics erschienen. Sie sind über den Buchhandel bzw. über die Geschäftsstelle der Hamburger Goethe-Gesellschaft erhältlich. Einige Themen und Referenten der Klassik-Seminare der letzten Jahre seien hier genannt: Gotthold Ephraim Lessing – Dichter zwischen Aufklärung und Klassik (Referenten: Prof. Albert Meier, Prof. Jürgen Stenzel, Prof. Winfried Barner, Prof. Willi Jasper) Heinrich und Thomas Mann - Zur Aktualität von Leben und Werk des Bruderpaares (Referenten: Prof. Helmut Koopmann, Prof. Hans Rudolf Vaget, Dr. Manfred Flügge, Prof. Wißkirchen) Sturm und Drang: Epoche der Grenzüberschreitungen - gefährdete Existenzen (Referenten: Prof. Hans-Gerd Winter, Hamburg, Prof. Matthias Luserke-Jaqui, Dr. Julia Schöll, Prof. Gert Sautermeister) Goethe - vom "Sturm und Drang" zur "Frühklassik"  (Referenten: Dr. Marie Wokalek, Dr. Thorsten Valk, Gerrit Brüning, Dr. Malte Stein).  Foto: Thies Ibold Seit August 2006 ist das schöne Warburg-Haus unser Veranstaltungsort. Die Hamburger Goethe-Gesellschaft hat z.Zt. 220 Mitglieder. Vom 29. Mai bis zum 1. Juni 2014 fand in Hamburg aus Anlass des 90jährigen Bestehens der Hamburger Goethe-Gesellschaft die Tagung der Vorstände der Ortsvereinigungen statt. Stand: 14. Januar 2014